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16.01.2018

Besprechung des Theaterstücks "Hilfe, die Herdmanns kommen"

Kategorie: Kulturelles, Top-News, Allgemeines

Das Theaterstück "Hilfe, die Herdmanns kommen" von Barbara Robinson wurde am 6.12.2017 im Freddy-Meyer-Saal des Rotteck-Gymnasiums aufgeführt. In diesem Stück waren die zwei Schauspieler Annika und Lukas nicht nur auf der Bühne aktiv, sie agierten auch als Regisseure und Bühnenpersonal. Das Duo zieht mit einer mobilen Bühne durch Baden-Württemberg, um Kinder, mit ihrem lustigen sowie lebendig wirkendem Stück, zu faszinieren.



In diesem Stück geht es um die Kinder der Familie Herdmann. Diese sechs frechen und schlampigen Geschwister wollen in einem traditionellen Krippenspiel zu Weihnachten mitmachen. Zum Schrecken der anderen Kinder werden sogar die Hauptrollen an die sechs Chaoten vergeben. Durch ihren unwissenden und dreckigen Charakter sowie ihrem neuen Ansatz der Interpretation, geben sie der inzwischen schon langweiligen und angestaubten Weihnachtsgeschichte einen neuen, überraschend einleuchtenden Sinn.

Zu Beginn möchte ich besonders das tolle Zusammenspiel und die hervorragende Organisation der zwei Schauspieler hervorheben. Mit nur zwei Akteuren und einem  mobilen Bühnenbild umherzureisen, erfordert viel Arbeit und viel Vertrauen.
Die eingeschränkte, manchmal sogar eingeengte, Bühne ist mit vielen tollen Ideen ausgestattet. Das Bühnenbild war sehr abwechslungsreich. Leider fand ich es manchmal etwas unklar, an welchem Ort sich die jeweilige Person im Stück befand.
Nicht direkt verstanden habe ich, was die Strohballen auf der Bühne sollten.
Die Beleuchtung ist nicht sehr umfangreich, aber mit nur zwei Personen sind große  Lichteffekte auch schwer zu realisieren.
Die kindischen Kostüme haben sehr gut zu dem Stück gepasst.
Gut gefallen hat mir auch, dass am Anfang gesungen wurde. Die gut ausgewählte Musik hat zu einer schönen Stimmung, einer tollen Atmosphäre geführt. Die Fernbedienung, mit der die Musik bedient wurde, wurde teilweise sehr gut eingesetzt, aber manchmal habe ich sie auch als störend empfunden.

Ich finde es faszinierend, wie zwei Personen eine Geschichte mit so vielen verschiedenen Charakteren darstellen können. Zwischendurch war leider machmal der Rollentausch der Akteure etwas plötzlich und damit unklar. Wenn die Rollen getauscht wurden und damit die Größe der Figuren sich veränderte, wurde dies gut dargestellt. Nicht nur hier, sondern auch in anderen Fällen, wurden die Höhen und Tiefen der Bühne toll ausgenutzt.
Schön fand ich, wie die Mimik, Gestik und die gesamten Bewegungen der Schauspieler eingesetzt und mit vielen tollen Ideen ausgeschmückt wurden. Die Darstellung und die Verkörperung der Charaktere war ebenfalls sehr einfallsreich. Gut gelungen fand ich die verschiedenen Reaktionen der einzelnen Personen aufeinander.

Schade fand ich, dass immer nur eine Person geschauspielert hat. Der andere Schauspieler redete immer nur parallel zum Stück. Dies zwar laut, deutlich und mit tollen Stimmenvariationen, aber dadurch ähnelte das Stück leider eher einer Erzählung als einem Theaterstück.

Verbesserungsfähig finde ich die Wiederholungen, die vorkamen. Meiner Meinung nach wurden auch zu viele Originalbegriffe aus dem Buch verwendet.
Schön wiederum war, dass viel syncron auf der Bühne passierte und dann wieder  Freeze benutzt wurde.
Irritiert hat mich, das der Anfang des Stückes so in die Länge gezogen war und dann das Ende mit dem Krippenspiel so schnell ging. Man könnte den Anfang kürzen und dann die Proben, also den lustigen Teil, noch ausführlicher darstellen. Das Ende der Geschichte könnte man noch ein wenig abrunden, da ich den Schluss zu plötzlich fand.
Gut gefallen hat mir der intensive Blickkontakt von Lukas zum Publikum. So habe  ich mich direkt angesprochen gefühlt.
Nicht verstanden habe ich, warum das Lied "Stille Nacht, heilige Nacht" am Anfang des Krippenspiels lief und dann später gesagt wurde "normalerweise freue ich mich immer, wenn wir das Schusslied 'Stille Nacht, heilige Nacht' erreicht haben...". Das schien mir unlogisch.
Ich fand es teilweise schön, aber auch teilweise nervig, das Annika so viel an ihrer Mütze herumgefummelt hat.
Gut gelungen war, dass die zwei Schauspieler sich gegenseitig zuhörten. 

Die Reaktion des Publikums spiegelt die genannten Punkte. Langeweile kam in den Bereichen auf, in denen viel gesprochen und zu wenig geschauspielert wurde. Mit Aufmerksamkeit hingegen betrachtete das Publikum die witzigen und toll dargestellten Szenen.
Ich sehe das ähnlich.

Abschließend fand ich die schauspielerische Leistung der Beiden glaubwürdig und überzeugend. Die Dramaturgie ist schön, manchmal zu lang und dann zwischendurch zu kurz.
Mein Tipp wäre ein dritte Person in das Stück zu integrieren. Diese könnte sich um Licht, Musik, Umbau des Bühnenbildes, ...u.s.w. kümmern. Vielleicht könnte dann auch der schauspielerische Anteil des Stückes vergrößert werden. Mehr Dialoge würden das Stück lebendiger machen.

Zum Schluss fand ich das Angebot gut, sich nach dem Theaterstück vor das Publikum zu stellen und Fragen zu beantworten. Das hat auf mich einen guten Eindruck gemacht.

Autorin: Julia Menn, Klasse 6a