Sieben risikofreudige, unerschrockene Schüler des Freiburger Rotteck Gymnasiums haben eine gemeinsame Vision: 42,195 km quer durch den Schwarzwald - Projekttage mal auf eine verrücktere Art und Weise. Mit dabei, zwei mutige Lehrer, die sie auf Schritt und Tritt mit dem Fahrrad verfolgen.
Freiburg, Wiehrebahnhof, 22. Juli 9:45 Uhr
Frische Luft, fröstelnder Wind, „Gänsehautfeeling“. Eine große Herausforderung steht an. Wir, Pia, Sofie, Kim, Florian, Nils, Michi und Sven, sieben entschlossene Läufer, starten unseren ersten Marathon quer durch den Schwarzwald. Ohne Vorahnung, dass es wohl einer unserer Abenteuerlichsten werden wird. Begleitet werden wir von zwei Sportlehrern des Rottecks, Max Frei, kein Unbekannter in der Freiburger Laufszene, und Alex Schimmer, einem passionierten Mountainbiker. Start unserer Tour ist am Freiburger Wiehrebahnhof, wo wir nun die letzten logistischen Vorbereitungen treffen, unter anderem die Satteltaschen der Fahrräder unserer Begleiter randvoll packen mit Wasser, Energieriegeln, Bananen, Regenjacken, Ersatzlaufsachen und nicht zu vergessen Erste-Hilfe-Set für Notfälle. Während unser Gepäck bereits auf direktem Weg nach Todtnauberg ist, nehmen wir zunächst den Zug in Richtung Feldberg Bärental. Langsam wird es ernst, jetzt gibt es kein zurück mehr. Der Countdown läuft, in wenigen Sekunden beginnt unser Transschwarzwaldmarathon: „3, 2, 1 und los!“ Ohne lange nachzudenken laufen wir noch frisch und fit unserem ersten Etappenziel, dem Feldsee entgegen.
Diese ersten 5 km ziehen sich in Serpentinen, bergauf und bergab. Eine kleine Runde um den See, ein perfektes Foto, alles noch sehr harmlos. Die kurze Pause mit einer kleinen Stärkung ist notwendig, um den Aufstieg zum 1493m hohen Feldberggipfel zu bewältigen, Härte nach dem Motto: höher, länger, weiter. Die verschlungenen, schmalen Wurzeltrails bringen uns Läufer an unsere Grenzen, die Höhenmeter schMärzen in den Beinen. Jetzt heißt es nur noch durchbeißen. Auch die Lehrer kämpfen mit dem Weg und den Rädern. Fahrend, schiebend und letztendlich tragend kommen auch sie ins Ziel. Das Gefühl, endlich das „Dach unserer Tour“ erreicht zu haben ist einfach unbeschreiblich. Feuchter Nebel, kühler Wind, nasse Tropfen auf der Haut und trotzdem wohlig warme Glücksgefühle.
Feldberg, St. Wilhelmerhütte, 22. Juli 13:00 Uhr
Endlich Zeit zum Ausschnaufen und gleichzeitig Stärken für das letzte Stück, das heute noch ansteht. Wir sehnen uns schon nach der heißen Dusche, den leckeren Spaghetti und dem warmen Schlafsack am Abend. Bald haben wir es geschafft, es ist nicht mehr weit. Über Wiesen und Felder, vorbei an faszinierten Kühen - von wegen Einsamkeit des Langstreckenläufers - rollen wir talabwärts in Richtung Todtnauberg. Das feuchte Gras kitzelt an den Waden, Schwarzwaldpanorama pur.
Todtnauberg, Skihütte Weil, 22. Juli 16:00 Uhr
Um 16:00 Uhr, nach geschätzten 21 km, gefühlten 1000 Höhenmetern und unzähligen Fotos ist unsere Hütte in Todtnauberg endlich in Sicht. Ein mindestens 2m langer Hefezopf überrascht uns. Was kann es für einen Läufer noch besseres geben?
Frisch geduscht bereiten wir gemeinsam das Abendessen zu. Nach einem kleinen Missgeschick in der Küche - die Nudeln landen statt in der Schüssel in der Spüle - heißt es Carboloading, Kohlenhydratspeicher auffüllen. Lecker...
Todtnauberg, Skihütte Weil, 23. Juli 10:00 Uhr
Müde Muskeln, schwere Beine, kribbelnde Waden und schon soll es losgehen. Ausgeschlafen und „aufgetankt“ vom Frühstück machen wir uns startklar für den Rückweg. 10 °C, es nieselt leicht, die feuchte Luft klebt an unserer Haut. Die ersten 5 km sind leicht bewältigen, eine noch absehbare Distanz. Wir durchqueren märchenhafte Wälder, laufen vorbei an wilden Bächen und dem Notschrei, unserem ersten Etappenstopp, entgegen. Dunkle Wolken ziehen bereits auf, die Regentropfen werden immer stärker, unser Ehrgeiz dafür umso größer. Wir packen unsere Regenjacken aus, um für das nächste Ziel, den 1284m hohen Schauinsland gerüstet zu sein. Auf kleinen Trails, verschlungenen Wegen und manchmal auch querfeldein nähern wir uns dieser Station. Und das alles bei Dauerregen. Ein Läufer kennt kein schlechtes Wetter. Außerdem stand von Anfang an fest, ein Spaziergang wird es nicht. Je mehr Kilometer hinter uns liegen, desto schMärzhafter wird das Laufen. Nach einem aufwärmenden Cappuccino auf dem Schauinsland nähern wir uns langsam dem Ende dieser zwei anstrengenden Tage. Das letzte Stück in Richtung Freiburg steht an. Vor uns liegt ein 3 km langer, steiniger Abstieg. Der Matsch spritzt hoch an unsere Beine, in unseren Schuhen steht das Wasser schon Zentimeter hoch. Tierisch harte Gefühle steigen in uns auf. Begossen wie ein Pudel, hungrig wie ein Bär und mit einem Wolf zwischen den Beinen lassen wir uns einfach nur noch treiben. Der Teamgeist stärkt uns. Kämpfen ist angesagt. Vorbei am St. Valentin in Günterstal, noch ca. 20 Minuten durch den Schlamm. Nichts hält uns mehr auf, jeder einzelne Schritt tut weh. Die letzten Minuten bis zum Wiehrebahnhof sind eine Qual.
Unser erster Gedanke: „Endlich, endlich haben wir es geschafft!“
Hier können Sie den Projektbericht auch als PDF-Dokument mit Bildern downloaden:
Bericht "Trans-Schwarzwald-Marathon 2010" (PDF)
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