



Montreal, der Name klingt europäisch und nicht ohne Grund sehr französisch. Die erste französische Siedlung des heutigen Montreals hieß zunächst Ville-Marie und wurde erst im Verlaufe des 18. Jahrhunderts nach dem markanten Hügel Mont Royal umbenannt. 1760 wanderte die Herrschaft in britische Hände, und somit hielt die Englische Sprache Einzug in die bis dahin ausschließlich frankophone Stadt.
Über die Zeit hat sich die inzwischen zweitgrößte Stadt Kanadas stark entwickelt. Die Siedlung an der Ottawamündung ist zu einer multikulturellen Metropole geworden. Das Bild der 3,6 Millionen Einwohner der Region setzt sich aus zahlreichen Nationalitäten zusammen: Neben den französisch- und englischstämmigen Montrealern finden sich u.A. Bewohner mit italienischen, arabischen, spanischen, griechischen und auch deutschen Wurzeln. Wandert man durch die Straßen dieser Stadt, hört man entsprechend viele Sprachen, und es gibt ein ebenso breit gefächertes kulturelles und kulinarisches Angebot.
Amtssprache ist in Montreal nach wie vor Französisch, für ca. 60% der Einwohner ist es die Hauptsprache. Englisch ist zwar nur für etwa 20% Hauptsprache, doch eigentlich versteht und spricht jeder Montrealer beide Sprachen. Diese Tatsache macht Montreal zu einem äußerst spannenden Reiseziel und zum idealen Austauschpartner für das Freiburger Rotteck Gymnasium.
16.10.2011 - Sechs Schüler und Schülerinnen des Rotteck Gymnasiums begeben sich an einem frühen Sonntag Morgen gemeinsam mit fünf Angellern und zwei Begleitlehrern auf den Weg nach Montreal. Sie haben lange darauf gewartet und alle freuen sich darauf, für gut zwei Wochen bei den kanadischen Austauschpartnern zu leben. Nach dem knapp 8-stündigen Flug werden sie in Montreal herzlich von Alain Forget und seinen Studenten begrüßt, mit denen sie die nächsten zwei Wochen in die Schule gehen und die Freizeit verbringen werden
Seit 2008 leitet Alain Forget den jährlichen Austausch zwischen dem Collège Ahuntsic und dem Rotteck Gymnasium. Zuvor fand der Austausch mit einer Berliner Schule statt, doch bei einem Treffen 2007 konnte Herr Fugmann den Montrealer schnell von Freiburg als Partner überzeugen. Diese Entscheidung haben weder Alain und seine Studenten noch die Freiburger bereut: Beide Seiten erleben ihre jeweilige Partnerstadt als familiär und gleichzeitig weltoffen, als überschaubar und ausgesprochen lebendig – genau die richtige Mischung für einen Schüleraustausch.

Die Partnerschaft mit dem Rotteck Gymnasium ist für das Collège Ahuntsic von Anfang an ein sehr wichtiger Bestandteil des Studienangebotes. Denn obwohl das Collège mit etwa 10.000 Studenten das größte in der Provinz Quebec ist, müssen Alain und seine Kollegen am Sprachinstitut jährlich um neue Interessenten kämpfen: „Ohne den Austausch wäre dieser Kampf sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.“ Dieses Jahr gab es immerhin 80 Deutschanfänger, und es besteht Hoffnung, dass es bald mehr werden, da das Collège allmählich auch für sein Deutschprogramms bekannter wird.
Für das Rotteck Gymnasium hat der Austausch mit dem Collège Ahuntsic ebenfalls einen besonderen Stellenwert: Die Schüler müssen sich meist für eine Austauschreise und somit typischerweise für eine bestimmte Sprache entscheiden. Mit Montreal wird den Schülern diese Wahl quasi erspart, wenn sie z.B. zwischen den USA und Frankreich als Reiseziel schwanken.
Die Frage, warum man überhaupt an einem Austausch teilnehmen sollte, ist schnell beantwortet: In Alains Augen stellen Austauschprogramme generell eine unersetzliche Erfahrung für junge Menschen dar. Sie lernen ein neues Land aus nächster Nähe kennen und können sich in einer fremden Sprache austesten, ohne dabei die ganze Zeit auf sich alleine gestellt zu sein. Die regelmäßigen Treffen zwischen den Austauschpartnern und den Begleitlehrern geben den Schülern dabei die nötige Sicherheit. Auf dem Programm stehen dabei die wichtigsten Sehenswürdigkeiten einer Stadt.

Während der gemeinsamen Unternehmungen findet zwischen Schülern und Lehrern ein ständiger Austausch über die neuesten Erfahrungen und Erlebnisse, oder auch mögliche Probleme statt.
„Es ist sinnvoll, dass es einen strukturierten Rahmen mit festen Programmpunkten gibt. Als der Austausch noch in den Kinderschuhen steckte, gab es sehr viel weniger gemeinsame Aktivitäten. Wir haben schnell festgestellt, dass zu viel unorganisierte Freizeit den Schülern nichts bringt und sie den Austausch wesentlich weniger genießen. So wie es jetzt läuft, ist es im Prinzip perfekt.“
Alle sind glücklich, und das Programm, das die Lehrer zusammengestellt haben kommt bei den Schülern gut an. Natürlich gibt es trotzdem immer Raum für Steigerungen. In diesem Fall besteht auf Seiten beider Partnerschulen der Wunsch, das Austauschprogramm weiter zu intensivieren, sodass für motivierte und engagierte Schüler irgendwann ein längerer Aufenthalt möglich sein soll.

Im Zentrum eines Schüleraustausches steht selbstverständlich die Sprache des Gastlandes. Im Sommer durften die Schüler des Rotteck Gymnasiums noch gemeinsam mit ihren kanadischen Partner lachen, wenn diese über den Freiburger Dialekt gestolpert sind. „Jeder hat sich Mühe gegeben, mit uns Hochdeutsch zu sprechen, aber ein bissle wollten wir den lustigen Dialekt auch lernen,“ sagt Benjamin grinsend. Der inzwischen 19-jährige kanadische Student ist noch immer begeistert von seinem Besuch in Freiburg und möchte in der Zukunft für eine Weile in Deutschland leben. Es ist ihm von Anfang an verhältnismäßig leicht gefallen, Deutsch zu lernen, doch der Austausch hat ihn sprachlich noch einmal um einiges weiter gebracht. Für die Freiburger ist der Besuch in Montreal sprachlich gleich doppelt interessant. Sie können sich mit Englisch und Französisch gleich in zwei Fremdsprachen versuchen. Das führt auch hier oft zu Lachern untereinander, da das kanadische Französisch doch etwas anders klingt, als das unseres Nachbarlandes. Dennoch zeigt sich schon nach kurzer Zeit ein enormer Fortschritt, den man bei Austauschen fast immer beobachten kann: Die Schüler verlieren die Angst, einfach drauf los zu sprechen, weil sie merken, dass nichts perfekt sein muss. In der Gruppe fällt das besonders leicht, denn trotz der sprachlichen Hürde und eines geringfügigen Altersunterschieds redet man über die gleichen Themen und hat die gleichen Interessen.

Nach zwei intensiven Wochen heißt es dann leider Abschied nehmen. Die Montrealer bringen ihre Freiburger Freunde zum Busbahnhof, von wo aus es für ein paar Tage nach New York geht. Auch wenn die Kanadier schon im Sommer wieder nach Freiburg kommen, fällt der Abschied schwer. Die Schüler liegen sich in den Armen und versichern sich gegenseitig, dass sie schon bald schreiben werden. Die letzten Fotos werden gemacht, und hier und da fließen ein paar Tränen.
Alain beobachtet die Abschiedsszenen und freut sich: „Das sind die Momente, in denen man sieht, dass die Chemie in der Gruppe stimmt. Das ist wie ein Geschenk.“


Den Abschluss einer ereignisreichen Reise bilden dreieinhalb aufregende Tage in Manhattan, New York. Mit dem Nachtbus aus Montreal kommt die Gruppe morgens um 6.30 Uhr etwas verschlafen an. Nachdem das Gepäck im Hostel an der Upper Westside abgegeben ist, verschaffen sich Lehrer und Schüler auf einer Bootstour bei strahlendem Sonnenschein gemeinsam einen groben Überblick über die riesige Stadt, die man aus zahlreichen Filmen und Serien so gut zu kennen glaubt. Tatsächlich hier zu sein, macht einem jedoch erst richtig bewusst, wie facettenreich und groß New York ist.

Die morgendliche Müdigkeit weicht beim Anblick der Freiheitsstatue, der Brooklyn Bridge und der Skyline schnell einheitlicher Begeisterung und Ungeduld, die Stadt endlich von Nahem zu erleben. Auf dem Programm stehen: das Empire State Building, das Museum of Modern Art, das Museum of Natural History, ein Besuch des Rockefeller Center, ein Spaziergang auf der Brooklyn Bridge und durch Greenwich Village, und für die ehrgeizigen Frühaufsteher eine Runde Joggen durch den Central Park.

Stundenlang wandern wir durch die endlosen Straßen dieser Metropole, bewundern die Mischung aus relativ alten Gebäuden und modernen Wolkenkratzern, versuchen mit den schnellen New Yorkern Schritt zu halten, scheitern, und suchen lieber die Ruhe des Central Parks auf. Wir besuchen den Ground Zero, der zu dem Zeitpunkt leider nicht zugänglich ist, und staunen über die immense Höhe des ersten, halb fertig gestellten, neuen Twin Towers.
Die relativ kurze Zeit ist gut gefüllt, und als es am letzten mit dem Shuttle endgültig auf den Heimweg geht, bleibt das überwältigende Gefühl, dass New York einfach unbeschreiblich ist. Man muss es einfach gesehen haben!

