Unser Namenspatron Karl von Rotteck

Karl von Rotteck als junger Gelehrte

Seit Ende 1920 trägt unsere Schule den Namen des Freiburger demokratischen Parlamentariers, Historikers und Staatsdenkers Karl von Rotteck (* 18.7.1775, + 26.11.1840).

Rotteck war seit 1798 Professor der Freiburger Universität gewesen, zuerst nur für Geschichte, von 1818 an auch für Naturrecht und Staatswissenschaft, wurde aber 1832 auf Geheiß der großherzoglich badischen Regierung zwangsweise pensioniert. Durch seine Werke (eine sechsbändige 'Allgemeine Geschichte', ein vierbändiges 'Lehrbuch des Vernunftrechts und der Staatswissenschaften', ein zusammen mit dem Gesinnungsfreund Professor Welcker herausgegebenes 15bändiges 'Staatslexikon') und durch seine journalistische Tätigkeit, vor allem aber auch durch seine unerschrockenen Reden und Anträge in den badischen 'Landständen', deren 1. Kammer er in den Jahren nach 1819 und deren 2. Kammer er von 1830 bis 1840 angehörte, wurde Rotteck in ganz Deutschland als Wortführer des südwestdeutschen Liberalismus bekannt. Die von der Regierung gegen ihn verhängten Strafmaßnahmen - seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand, das Verbot seiner Zeitschrift 'Der Freisinnige' und die Annulierung seiner Wahl zum Freiburger Bürgermeister - vermochten ihn nicht zu beugen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1840 kämpfte er unbeirrt für die Verwirklichung seiner Freiheitsideale.

Wie aber ist es zu dieser Namensgebung unserer Schule gekommen? Das Protokollbuch vermerkt anlässlich einer Konferenz vom 17.12.1920 u.a. nur lakonisch den Beschluss "Der Beirat wird gebeten dahin zu wirken, dass die Schule den Namen 'Rotteck-Schule' erhält". ... Erstaunlich rasch wurde in der Sitzung des Freiburger Stadtrats im Anschluss an die Vorlage "800jähriges Stadtjubiläum" beschlossen, "das Andenken an Karl von Rotteck in der Weise zu ehren, dass die alte Oberrealschule in der Werderstraße nach ihm genannt werden soll" (Ratsprotokoll 1920, Seite 881). Seither trägt unsere Schule Rottecks Namen. (Zitiert aus der Festschrift zum 125jährigen Schuljubiläum 1966).

Zitate von Rotteck:

"Ich will die Einheit nicht anders als mit Freiheit, und will lieber Freiheit ohne Einheit, als Einheit ohne Freiheit." ... "Ich wäre nicht wert, Volksdeputierter zu sein, wenn je mich Menschenfurcht abhalten könnte, dem von mir mit Überzeugung erkannten Unrecht und Gemeinübel entgegenzutreten." ... "Ich habe immer Entschiedenheit und Offenheit der Gesinnung und des Ausdrucks geliebt, freimütig habe ich immer meine Meinungen und Ansichten über Sachen und Personen ausgesprochen." ... "Zum Höfling bin ich verdorben, ich bin Volksvertreter." ... "In der Zeit des Entscheidungskampfes...zwischen Freiheit und Sklaverei fällt auf den...der Vorwurf der Pflichtvergessenheit oder des Kleinmuts...wenn er eine Sache für verloren gibt, für welche trotz der Verschwörung übermächtiger Feinde noch tausend und tausend edle Herzen schlagen."

Karl von Rottecks Grab befindet sich auf dem alten Friedhof in Herdern (in der Südmauer nahe des Ausgangs zur Karlsstraße/Karlsschule - roter großer Sandstein). Neben unserer Schule erinnern an ihn: das Denkmal mit seiner Büste vor dem Kollegiengebäude II der Uni beim Theater (deren von Wolfram Zimmer hergestellter Gipsabdruck in Pappmaché in der Schule steht), die Straße 'Rotteckring' und das Wanderziel 'Rottecksruhe', wo früher der Schönihof stand, der Rotteck zeitweilig gehörte und den er sogar selbst bewirtschaftete.

P. M., 20.2.2000